Schneelicht in der Tatra und ein Skiabenteuer
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Der Wind summte sanft zwischen den Gipfeln und trug feine Schneeflocken, die im frühen Morgenlicht wie winzige Sterne glitzerten. Die majestätischen Berge der Tatra erhoben sich um sie herum – schroffe, weiß gepuderte Gipfel, schattige Täler und Wälder in tiefer Winterstille. Es war die Hochphase des Winters, jeder Atemzug fühlte sich frisch und lebendig an.
Marek zog den Riemen des Handschuhs seines kleinen Sohnes fester und lächelte. „Bereit, Adam?“
Adam nickte eifrig, die Wangen vor Kälte gerötet, die Skier etwas schief, wie es Anfänger eben tun. Seine Aufregung überwog sein Gleichgewicht, aber Marek hätte es um nichts in der Welt ändern wollen. Das war ihr Urlaubsritual – Vater und Sohn, allein in den Bergen, schufen Erinnerungen für die Ewigkeit.
„Steh aufrecht“, sagte Marek sanft. „Beug dich ein bisschen nach vorn. Lass dich vom Schnee führen.“
Adam folgte ihm, wankte kurz, fand dann aber wieder Halt. Der Hang, den sie sich ausgesucht hatten, war sanft und schmiegte sich an eine Reihe stiller Kiefern. Sonnenlicht filterte durch die Zweige und tauchte die Welt für einen Moment in goldenes Licht – fast ästhetisch in seiner Vollkommenheit.
Sie stießen sich gemeinsam ab.
Anfangs glitt Adam wie ein vorsichtiges Reh auf dem Eis – vorsichtig, unsicher, den Blick auf seine Stiefel gerichtet statt auf den Horizont. Marek fuhr geduldig neben ihm her, gab ihm leise Anweisungen und noch leisere Ermutigungen.
Und dann geschah es.
Adam fand seinen Rhythmus. Der Schnee wurde weicher unter ihm, der Hang trug ihn, und sein schmaler Körper fand das Gleichgewicht. Er stieß einen Jubelschrei aus – ein reiner, heller Laut, der von den Felswänden widerhallte. Marek lachte mit ihm und ließ den Moment tief in sein Herz eindringen.
Den Rest des Vormittags verbrachten sie damit, durch unberührte Pulverschneefelder zu fahren, langsame, geschwungene Linien im Schnee zu ziehen und nur anzuhalten, um die Flocken aus Adams Haaren zu schütteln. Sie beobachteten Gämsen, die über einen fernen Bergrücken huschten, sahen, wie das Sonnenlicht in den Baumwipfeln schmolz, und spürten, wie die Welt in eine fast heilige Stille überging.
Später saßen sie zusammen auf einer Holzbank vor einer Berghütte und tranken heiße Schokolade, die in der kalten Luft dampfte. Adam lehnte sich an die Schulter seines Vaters, müde, aber auf jene warme, zufriedene Weise, die nur Wintertage schenken können.
„War ich heute gut?“, fragte er leise.
„Du warst fantastisch“, sagte Marek. „Aber das Beste war nicht das Skifahren.“
Adam runzelte die Stirn. „Was war es dann?“
Marek drückte ihm die Schulter. „Das Hiersein mit dir.“
Die Berge erstreckten sich endlos vor ihnen, der Himmel färbte sich mit Einbruch der Dämmerung blassviolett. Wieder fiel Schnee – langsame, sanfte Flocken tanzten im schwindenden Licht.
Und dort, tief in den Bergen der Tatra, ritzten Vater und Sohn nicht nur Spuren in den Schnee, sondern auch Erinnerungen – still, magisch und voller jener Art von Wärme, die der Winter auf wundersame Weise noch verstärkt.